
Sleep Tight (2011)
Erscheint irgendwo der Name Jaume Balagueró, werden wohl eher die wenigsten Hobby Cineasten hellhörig. Doch der ein oder andere wird, vorrangig wenn er Anhänger der düsteren und gruseligen Unterhaltung ist, erwartungsvoll aufhorchen und sich freudig an vergangene Schöpfungen wie Darkness (2002), Fragile – A Ghost Story (2005) oder [REC] und [REC]² erinnern. Wo seine Erstlingswerke noch mit wenig Erfolg und Aufmerksamkeit bedacht wurden, gelang Balagueró mit [REC] jedoch ein kleiner Durchbruch und der Titel wurde lange Zeit als Geheimtipp behandelt. Ob auch sein neuester Streich, Sleep Tight, ebensolche Qualitäten an den Tag legen kann, erfahrt Ihr in unserem Test!
In Sleep Tight, folgt Ihr der Geschichte des Hausmeisters César (herausragend gespielt von Luis Tosar). César arbeitet in Barcelona in einem Gebäude mit mehreren Mietparteien als Portier. Er kümmert sich um alle anfallenden Reparaturarbeiten, hält den Damen des Hauses die Eingangstür auf oder füttert die Haustiere der Bewohner, wenn diese beim Bingo-Abend sind. Ein richtig netter Kerl also. César hat aber ein Problem, wie seine Stimme aus dem Off bald dem gespannten Zuschauer erklärt. Er erläutert, ihm fehle die Fähigkeit zum glücklich sein. So wie andere Menschen zum Beispiel taub oder blind seien, fehlt ihm das Verspüren von Glücksgefühlen. Um dieses Defizit wieder auszugleichen, hat César sich ein wichtiges Lebensziel gesetzt. Etwas, wofür es sich trotz mangelnder Glücksgefühle trotzdem zu leben lohnt – nämlich dafür zu sorgen, dass die Menschen in seinem Umfeld ebenfalls nicht glücklich sind und das andere es so richtig schwer haben. Besonders der immer frohen Mieterin Clara, die jeden Tiefschlag mit gesundem Optimismus wegsteckt, möchte César das Lächeln am liebsten aus dem Gesicht wischen. Als Hausmeister mit allerlei zweit Schlüsseln und verschiedensten Mitteln und Wegen ausgestattet, spielt César ein durch perfides Ideenreichtum geprägtes Katz-und-Maus Spiel mit der armen, nichts ahnenden Clara. Immer den Zuschauer als stillen Beobachter an seiner Seite.
Balagueró beweist mit "Sleep Tight" ein weiteres Mal, dass keine Budgets in Millionenhöhe, Effekthascherei aus dem Computer und minütig stattfindende Explosionen vonnöten sein müssen, um großes Kino zu schaffen. Bei Sleep Tight reicht ein schlichtes Mehrparteienhaus, eine Hand voll guter Schauspieler, allen voran Luis Tosar, welcher César eine ungeheure Tiefe verleiht, und ein gut durchdachtes Skript. Zu verfolgen, wie César Tag für Tag Claras Leben aus dem Hintergrund manipuliert und sich von anfänglichen „kleinen-Jungs-Streichen“ in ganz andere Dimensionen steigert, ist spannender als jede noch so gut choreografierte Verfolgungsjagd oder Schießerei, die einem bei anderen Titeln vielleicht den Puls in die Höhe getrieben hat. Sleep Tight vermittelt dem Zuschauer regelrecht das Gefühl eines Voyeurs- alles sehend, alles mit erlebend, aber nicht eingreifend. Man ertappt sich wie man, auch nach anfänglichen Längen und trotz kleinerer Logiklücken, immer wieder den Atem anhält und sich denkt „Das kann er doch nicht machen“. Ohhh doch, und wie er macht. Und dann setzt er anschließend auch noch eins drauf. Und noch eins.
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