
Der Kampf um die Hosentasche
Es ist 2012 und es hat sich doch einiges geändert, seitdem wir damals mit unseren großen schweren GameBoys einige Autofahrten zum Urlaubsort überstanden haben. Nicht nur wir Spieler sind älter geworden, auch die Geräte und der Markt sind gereift und pessimistische Stimmen werden immer lauter, dass uns Handhelds, wie wir sie bisher kannten, so langsam verlassen werden. Aber darf man das als leidenschaftlicher Spieler wirklich so hinnehmen?
Die Rivalen
Neben dem Platzhirsch Nintendo, der seit dem Nintendo DS erfolgreich versucht, ähnlich wie die Piratenpartei, statt Nicht-Wähler Nicht-Spieler an Bord zu holen, baut sich Sony mit ihren Premium-Produkten ihre ganze eigene Nische auf und bietet umfangreiche Abenteuer für die Hosentasche. Der dritte Mitspieler dagegen ist nochmals ein ganz anderer: Der Apple-Store und Play-Store auf Android versorgen sämtliche Smartphones mit Spielen und zeigen, dass die Zeiten von Snake nun endgültig überholt sind.Mit den verschiedenen Handheld-Ansätzen haben sich auch drei generelle Zielgruppen entwickelt. Denn auch wenn es grundlegend darum geht, die Freizeitgestaltung auf Reisen, Abends im Bett oder auf dem Weg zur Arbeit zu verbessern, so suchen nicht alle Spieler das gleiche.
Vor- und Nachteile im Vergleich
Wenn man versucht, die einzelnen Angebote zu positionieren, stellt man fest, dass es sehr schwierig ist, das beste Gerät zu küren. Immerhin sind die Bedürfnisse und Budgets bei jedem Spieler nun einmal unterschiedlich. Ein entscheidender Unterschied liegt aber darin, dass die Masse dazu tendiert, ein Smartphone, unabhängig von der Spiele-Lust, zu kaufen, und da man dort mit Apples Prestige-Modell schnell über die 600 Euro kommt, fällt es heute umso schwerer, noch einmal Geld für einen weiteren Handheld hinzulegen. Umso kritischer sind die Spieler geworden, so zeigen die Verkäufe in Japan, das Land in der die PSP große Erfolge eingefahren hatte, dass es den Spielern schwer fällt, sich neben dem Smartphone noch einen Premium-Handheld wie die PS Vita zuzulegen. Zumal Apple ja noch viel dafür tut, ihr iPad zu verkaufen, welches ja fast auch noch in den Vergleich genommen hätte werden können.
Das Smartphone: Wie weit braucht man denn überhaupt ein teures?
Zugegeben, als das iPhone nach dem anfänglichen Widerstand sich immer mehr durchsetzen konnte, zeigten sich immer mehr Vorteile eines Smartphones: Plötzlich wurde E-Mails schreiben unterwegs genau so bequem, wie das Versenden von SMS. Dank GoogleMaps musste man sich gar nicht mehr verlaufen, viele kleine kostenlose Apps führten zu unzähligen Spielereien und schienen anfangs teilweise wirklich nützlich. Gute Spiele haben wir auch zu Gesicht bekommen: Sei es das "Game Dev Story", ein "Sword and Sorcery" oder eines von den vielen anderen Indie-Titeln, welche für wenig Geld neuartige Spiel-Erfahrungen möglich machten. Allerdings haben viele der Titel den Sprung auf andere Plattformen geschafft und so dass einem eher wenige exklusive "Must Haves" durch die Lappen gehen, wenn manSmartphone-Spielereien verzichtet. Außerdem fühlt es sich langsam so an, als wäre der Smartphone-Markt unüberschaubar geworden:- Unzählige Geräte-Typen, welche nicht alle die selbe Leistung bieten
- eine schnelle Überholung und Weiterentwicklung lassen teure Anschaffungen schnell veralten
- dutzende Apps auf dem Smartphone, die man nur sehr selten wirklich braucht
- lauter unkreativer Spiele, welche versuchen, auf der Erfolgswelle von "Angry Birds" & Co mitzuschwimmen
- gute Lösungen für die Einschränkungen der Touch-Steuerung zeigen sich selbst nach Jahren nicht
Nur zu schön ist der Gedanke, alles in einem Gerät vereint zu haben. Allerdings fressen uns die Spiele für unterwegs die Akku-Laufzeit für wichtige Telefonate weg und wenn man sich einmal anschaut, wie uns die Smartphones umerziehen, in eine Masse-statt-Klasse-Mentalität, oder wir plötzlich anfangen, selbst unterwegs viel Lebenszeit mit Facebook zu verbringen, statt qualitative Informationen aufzunehmen, so sollte man sich als leidenschaftlicher Spieler doch tatsächlich mal hinterfragen, ob man wirklich seine Ansprüche dermaßen runterfahren und Gefahr laufen möchte, dass uns die ganzen sogenannten "Non- und Casualgamer" einen neuen Videospiel-Crash wie damals, Anfang der 80er, durchleben möchte.
Also, eventuell reicht ja vielleicht schon ein günstiges Smartphone und ein guter Handheld, um für dasselbe Geld mehr zu bekommen?
Die aktuellen Handhelds: Die letzten ihrer Art?
Natürlich finden wir bei den Handhelds durch ihre langjährige Präsenz genauso Vor- wie auch Nachteile. Ähnlich wie die GEMA momentan, tun sich die traditionellen Unternehmen wie Nintendo und Sony schwer, ihre Geschäftsmodelle konkret zu überarbeiten. Wo man sich dank Download-Käufen auf günstigere Spiele gefreut hat, erwarten den Spieler dieselben Preise wie für die Spiele mitsamt Verpackung im Laden. Kleine PlayStation Minis, welche von der Qualität teilweise nicht ansatzweise mit 99 Cent-Spielen auf den Smartphones mithalten können, werden ebenso um ein paar Euro teurer angeboten, als man annehmen möchte. Prinzipiell ist die Anschaffung eines 3DS oder einer PS Vita mit 150-230 Euro wesentlich günstiger als die Investition in ein teures Smartphone oder gar ein Tablet-PC. Allerdings können und wollen diese Geräte nie den Umfang von Smartphones komplett ersetzen, womit der simple Preis-Vergleich zwischen Smartphone und Handheld nicht aufgeht. Natürlich sind die Spielepreise dann auch noch einmal ganz anders angesetzt, aber dafür kann ein gewisser Umfang erwartet werden, den man woanders in tragbarer Form einfach nicht bekommt.Gerade die PS Vita hat dank ihres "PS3 für unterwegs"-Feelings in den letzten Wochen die Gunst der Redaktion erobern können. Plötzlich kann man ohne Einschränkungen umfangreiche Spiele besser in den Alltag integrieren: Wenn die Arbeit und Familie kaum noch Zeit für ein langes Rollenspiel zulassen, lässt es sich nun bequem in der Mittagspause oder Abends im Bett, wenn die Liebste schon eingeschlafen ist, noch spontan ein wenig weiterfarmen. Und dank der 3D-Erfahrung des 3DS oder dem besonders großen und hochwertigen Touchscreen der PS Vita sehen wir ein großes Potenzial, dass Spielerfahrungen von den Heimkonsolen nicht nur portabler geworden sind, sondern in Zukunft noch erweitert werden können, wie sich in Uncharted: Golden Abyss schon deutlich zeigt. Und wer eins der beiden Geräte in die Hand nimmt, wird auch sofort fühlen wie ergonomisch echte Tasten bleiben und weiterhin für ein präzises Steuern in Action-Spielen Voraussetzung bleiben.
Ein Vergleich zwischen dem 3DS und der PS Vita würde jetzt ein wenig den Rahmen sprengen. Unter Betrachtung des Themas lässt sich unserer Meinung nach nur grob sagen: Beide Handhelds sind im Grunde genommen gelungene Updates ihrer Vorgänger, welche auf aktuelle Trends (wie soziale Netzwerke und mehr Online-Funktionen) setzen und durch noch mehr Leistung, angenehmere Ergonomie (zwei Analogsticks bei der Vita) und anderer Features (wie die Touchfläche auf der Rückseite der Vita oder die 3D-Funktion des 3DS) ihre Daseinsberechtigung bestätigen. Abgesehen davon haben wir es hier mit zwei ausgezeichneten Handhelds zu tun.