
PlayStation Vita
Als Sony der Videospielwelt die PlayStation Vita präsentierte, stand zunächst ihr Potenzial im Raum. Sie hatte nicht nur im Vergleich zur PSP grafisch und ergonomisch deutliche Fortschritte gemacht, nein, sie bot neben dem berührungsempfindlichen Display noch ein zweites Touchpad auf ihrer Rückseite, das zusammen mit den beiden Analogsticks, der Sixaxis-Funktion, den beiden verbauten Kameras und dem Mikrophon viel Raum für kreative Ideen bot. So der erste Eindruck, wirklich interessant wurde Sonys neuer Handheld für mich allerdings erst, als die ersten Titel vielversprechend aussahen.
Gekauft, ausgepackt und begeistert?

Beide Touchpads reagieren punktgenau, sauber und ohne Verzögerungen. Während die Kameras in Spielen durchaus raffiniert genutzt werden können, unter anderem wegen der Möglichkeit ihrer Gesichtserkennung, schwächeln sie leider bei der Aufnahme von Fotos, die insgesamt stark verrauscht und dunkel ausfallen - kein Wunder, denn ein Blitzlicht ist nicht vorhanden. Im Gegensatz zu Heimanlagen reißen die winzigen Lautsprecher der PlayStation Vita selbstverständlich keine Bäume aus, klingen aber im Miniformat und im Vergleich zu ähnlichen Geräten doch sehr beachtlich, auch wenn die Höhen das Klangbild klar dominieren – auf Kopfhörer kann getrost verzichtet werden.
Dass der Handheld gut in der Hand liegt, ist zum einen ihrem flachen, abgerundeten Design und zum anderen ihrem geringen Gewicht zu verdanken. Die Tasten und Analog-Sticks, die ich mir anfangs noch als recht winzig vorstellte, lassen sich entgegen ersten Befürchtungen intuitiv erreichen und bestens bedienen. Selbst nach mehreren Spielstunden, treten keine Ermüdungserscheinungen auf, was bei anderen Handhelds schon eher der Fall sein kann.
Bei den Anschlüssen vermisst man durchaus einen HDMI-Anschluss, denn hier hätte der Handheld einen schönen Mehrwert am heimischen HDTV bieten können, was die Multimedia-Funktionen angeht. Über den Kopfhöreranschluss lässt sich die PS Vita per Cinch-Stecker immerhin an die Musikanlage anschließen.

Ein Gerät mit vielen Möglichkeiten
Durch den Touchscreen haben natürlich nicht nur Funktionen aus dem Smartphone-Bereich Einzug erhalten. Sony hat sich durch eine sehr eigenwillige Menü-Führung von der guten alten Crossmedia-Bar verabschiedet und liefert eine iOS ähnliche Oberfläche, die auf die Finger der Spieler zugeschnitten wurde. Allerdings sorgen Fahrstuhl-Musik und ein bunter und verspielter Look für ein merkwürdiges Kontrastprogramm zur eher wohnzimmertauglichen Hardware-Optik.Egal wie vielen Spielern es widerstrebt: Erst lernten unsere Konsolen und Handhelds Musik und Video abzuspielen und im Internet zu surfen, nun geht es folgerichtig weiter in die moderne vernetzte Struktur von Social-Media. Sony hat sich reichlich Mühe gegeben, es nicht nur beim PSN-Account zu belassen. Die App "Near" hilft dem Spieler dabei, mit einer Art Facebook-Oberfläche den Status seiner PSN-Freunde zu verfolgen, deren Fortschritte zu "liken" und zu kommentieren und auch neue Menschen kennenzulernen, die sich in der Umgebung aufhalten (und es sind schon überraschend viele Vitas unterwegs, zumindest hier im Norden). Dabei haben die Entwickler auch immer an die Privatsphäre gedacht und erlauben in sämtlichen Einstellungen einen individuellen Umgang mit seinen Daten. So teilt man seine Informationen notfalls auch mit niemanden oder schafft eine Art "Home-Zone", in der man nicht erreichbar ist.

Apps und Programme
Im Gegensatz zu Apples iOS oder Android, vermisst man hier allerdings noch allerlei Apps. Zwar liefert die kleine PlayStation bereits gängige Apps wie Facebook, Twitter, Flicker und einen gut funktionierenden Internet-Browser, doch praktische Apps wie ein E-Mail Programm, ein spezieller Musik-Player mit .FLAC Unterstützung und Last.fm-Scrobbler, sowie vielleicht auch Remotes für HTPC-Anwendungen wie XBMC bleiben Nischen-Produkte, auf die man als Technik-Freak wohl auch in Zukunft nur über sein Smartphone zugreifen können wird. Nicht einmal in den Genuss einer YouTube-App oder Webradio kommt man bisher.Und was ist mit E-Books? Sony bietet kein Konkurrenzprodukt zum Amazon-Kindle-Store und sollte sich vielleicht mal überlegen, ob eine App da nicht sinnvoll wäre. Von der Bedienung und der Bildschirmgröße her kann man auf der PlayStation Vita angenehmer lesen als auf einer typischen Smartphone-Bildschirmgröße.
Das Dreamteam: PS3- und PS Vita-Verbindung dank Remote Play

Soviel zur Hard- und Software der PS Vita. Doch wie schätzen wir sie in einem Vergleich mit anderen Handhelds ein?
Der Vergleich zum Vorgänger, der PlayStation Portable
Was die Geräte im Vergleich angeht, so merkt man dem Nachfolger deutlich einige Verbesserungen an. Wer die neuen Analogsticks ausprobieren konnte, wird sich schwer tun, noch einmal nur mit einem Slide-Pad auf einer PSP zurechtzukommen. Der Vorgänger liegt auch einfach nicht so rund in der Hand, da gerade die Schultertasten mit ihren Ecken doch ein wenig problematisch waren. Einziger Pluspunkt mag wohl der Akku der PSP gewesen zu sein: Dieser war nicht fest verbaut und ließ sich bei einem Defekt einfacher austauschen. Ansonsten wurde so ziemlich alles überdacht und verbessert, auch wenn der neue Handheld noch weniger bis gar nicht mehr in die Hosentasche passt. Ansonsten gibt es eigentlich keinen Grund, jetzt noch zum Vorgänger zu greifen.Der Vergleich zur Konkurrenz: PlayStation Vita und der 3DS

Die für Handheld an sich sehr gute Grafik, die der 3DS mit „Resident Evil - Revelations“ gezeigt hat, muss sich auf Anhieb Vitas bisherigem Vorzeigetitel, „Uncharted: Golden Abyss“, ganz klar geschlagen geben, was vor allem daran liegt, dass die Auflösung der Vita doppelt so hoch ist, wie die des 3DS. Auf eine dreidimensionale Darstellung muss man bei Sonys neuem Handheld allerdings komplett verzichten.
Steuern lässt sich die PS Vita ebenfalls besser, da sich die Sticks bequemer bedienen lassen, als der trotz allem gut funktionierende Slidepad des 3DS. Speicherkarten lassen sich beim 3DS problemlos einführen, während die Vita spitze Fingernägel oder andere Utensilien leider voraussetzt. Hier wäre eine Art Druckmechanismus oder ein ebenfalls offener Schacht wünschenswert gewesen. Ein Punkt geht ganz klar an Nintendos Handheld, da dieser bereits über einen eingebauten Speicher verfügt. Dies wäre für den hohen Preis der Vita eigentlich selbstverständlich gewesen. Einen weiteren Punkt hat sich Nintendo für die einfacher zu bedienende Benutzeroberfläche verdient, auch wenn die Vita in ihrer verschachtelten Architektur mehr Möglichkeit bietet und moderner wirkt.
Wenn man den hohen Releasepreis des 3DS ignoriert, Nintendo hat den Preis ja mittlerweile stark nach unten korrigiert, sind beide Handhelds für sich gesehen definitiv empfehlenswert und eine Bereicherung für jeden ambitionierten Videospieler.
Daten und Features im Überblick
- Quadcore-Prozessor: ARM CortexTM-A9-Core
- OLED Touchscreen, 12 cm (16:9)
- Auflösung: 960 × 544 (220ppi)
- Multitasking für mehrere Anwendungen
- Kamera auf Vorder- und Rückseite (Augmented Reality-Spiele möglich)
- Stereo-Lautsprecher
- zwei Analogsticks
- Touchfläche auf der Rückseite
- eine konstante Internet-Verbindung dank 3G (separates Modell)
- Positionsbestimmung auch mit WLAN
- Sechs-Achsen-Sensorensystem
- Akku-Laufzeit zwischen 3 und 5 Stunden
Mein Fazit
Weitere Informationen erfahrt Ihr auf der offiziellen Website http://de.playstation.com/psvitasystem/