Kolumne

Kalte Schauer aus dem fernen Osten

Benny liebste Asia-Gruselfilme

Halloween ist vorbei und wir befinden uns mitten in der Vorweihnachtszeit - vielleicht ein Grund, aber kein Hindernis, sich nicht neben den vielen lauschigen Weihnachts- und Märchenfilmen auch einmal gewollt vor dem Fernseher zu gruseln.

Als gestandener Horrorfan sollte man sie gesehen haben: legendäre Filme wie „Nightmare on Elm Street“, „Freitag der 13.“, „Tanz der Teufel“ und wie sie nicht alle heißen. Damals waren es harte Streifen, schockierend. Machten vor allem deshalb auf sich aufmerksam, weil sie teils auf dem Index standen und gerade deswegen das Interesse geschürt wurde, das Verbotene mit eigenen Augen zu sehen. Mittlerweile sind die Filme technisch überholt. Angst jagen sie kaum noch jemandem ein. Der Grund dafür ist, dass die Gewaltverherrlichung stetig steigt, kreative Ideen aus den Blockbuster-Staaten stagnieren und die Menschenmassen mit immer perverser werdenden Inhalten in die Kinosäle gelockt und abgestumpft werden. Und natürlich wollen wir nicht die vielen Remakes (genre-übergreifend) vergessen, seien es lieblose „Modernisierungen“ alter Klassiker, „Nightmare on Elm Street“ lässt grüßen, oder das billige Abkupfern grandioser (Horror-) Filme aus dem Asiabereich. Bloß weil der Mainstream nicht gewillt ist, Asiaten als gute Darsteller zu sehen (fliegen ja eh alle nur herum…) oder weil das jeweilige Original nicht krass genug daher kommt, sondern „nur“ langsam und bedacht eine nervenaufreibende Spannung erzeugt.

Was aber machen asiatische Regisseure richtig, dass uns ihre Beiträge (a). so gefallen und wir ihnen ein Special widmen und (b.) sie nach und nach amerikanisiert werden?

Das Skript - erfrischend anders

Anstatt, dass sich das Geschehen im „alles schon dagewesene“ Horrorallerlei verliert, oder stumpfes Gemetzel im Mittelpunkt stehen, trumpfen asiatische Horrorfilme mit kreativen Handlungen auf und erzählen erfrischend neue Geschichten. Abseits der bekannten Muster ist das Schicksal der vielen Protagonisten sehr vielfältig, sehr menschlich, da sich hinter den meisten Alpträumen, trotz aller übernatürlichen Erscheinungen, ein waschechtes Drama verbirgt, welches im Grunde nichts anderes tut, als die dunklen Seiten des Menschen zu kritisieren. So ist die Gesinnung des Hauptcharakters nicht immer auf Anhieb durchschaubar, gerne entpuppt sich das scheinbar unschuldige Opfer als Täter, das aus menschlichen Gefühlen heraus (Neid, Gier, Eifersucht, ...) einen fatalen Fehler begangen hat und erst deswegen von Geistern heimgesucht wird. Verzwickte Vor- und Rückblenden sind ebenfalls beliebte Stilmittel, um die Handlung dynamischer zu gestalten und die bösen Geister des simplen Popcorn-Kinos zu vertreiben. Billige Schockmomente, die sich absolut vorhersehbar mit entsprechender Musik ankündigen und jeden Moment mit lautem Getöse aus den Lautsprechern donnern, sind bemerkenswert selten. Nicht dass es an Schockmomenten fehlen würde, sie lassen sich nur nicht auf das einfache Erschrecken des Zuschauers reduzieren, meist sind es die plötzlichen handlungsbedingten Erkenntnisse, die den Zuschauer frösteln lassen – anspruchsvolles Gruseln denn plumpes Gemetzel.

Realer als gedacht

Tatsächlich hinterlassen asiatische Horrorfilme ein hohes Maß an Realismus, da sie überwiegend langsam und weniger turbulent, geradezu alltäglich inszeniert werden. Oft werden zwischenmenschlichen Aktivitäten, direkt aus dem Leben gegriffen, detailliert gezeigt, beispielsweise die Anmeldung eines Kindes beim Kindergarten. Gestärkt wird dieser natürliche Eindruck von den exzellenten Schauspielern, die ihre Rollen überragend authentisch spielen. Keine überkandidelten Hochglanzcharaktere, sondern Menschen wie Du und ich, mit ihren Problemen, Lastern und Gefühlen. Und geht es um die Verkörperung der Geister (meist als kreidebleiche Frau mit langen schwarzen Haaren dargestellt), zeigen asiatische Schauspieler eine beeindruckende Performance. Brillant in Szene gesetzt wird der Geist beispielsweise bei „Ju-On“, als er blutbeschmiert, grotesk auf allen vieren die Treppe herabkrabbelt. Eine fantastisch ekelerregende Aufnahme, die ohne jedwede Special-Effects auskommt und die man garantiert nicht so schnell vergisst.

Wer nun neugierig auf das Asia-Horror-Kino geworden ist und dem Ganzen eine Chance geben möchte, dem möchten wir abschließend ein paar Highlights empfehlen. Vielleicht ist auch für Kenner der eine oder andere unbekannte Streifen darunter.

Asiatische Horrorfilme, die CouchCastle Euch empfiehlt:

Ju-On: The Curse & The Grudge Land: Japan Bereits abgekupfert: Ja

Ein Fluch lastet auf ein vermeintlich gewöhnliches Haus. Jeder, der ein Fuß in dieses setzt, wird sterben. Grandioses Horrorkino, leise und beklemmend. Unbedingt auch den TV-Zweiteiler ansehen, der mir trotz schlechterer Kamera besser gefallen hat, also die Kinofilme.

Tale of two Sisters Land: Korea Bereits abgekupfert: Ja

Zwei Schwestern kehren nach ihrem Psychiatrieaufenthalt heim, wo ihnen ihre böse Stiefmutter das Leben zur Hölle macht und mysteriöse Dinge vorfallen. Äußerst spannende Handlung, die mit einem Knacknussende lange Zeit zum Nachdenken anregt.

R-Point aka Ghost Soldiers Land: Korea Bereits abgekupfert: Nein

Vietnam 1972. Der Funkspruch einer längst ausgelöschten Einheit führt eine elfköpfige Truppe auf einer Aufklärungsmission zum R-Point. Ein echter Geheimtipp, der eine unglaublich dichte Atmosphäre erzeugt und teilweise an den ersten „Predator“-Teil erinnern lässt.

Train of the Dead Land: China Bereits abgekupfert: Nein

Ein Geisterzug, der vor sechszehn Jahren 250 Menschen das Leben kostete, verschmilzt mit einem Nachtexpress. Sehr unterschätzter Titel, der zugegebenermaßen alles andere als leicht zu durchschauen ist. Wer eine rätselhafte Herausforderung sucht, dürfte hier fündig werden.

Dark WaterLand: Japan Bereits abgekupfert: Ja

Nach der Scheidung ziehen Mutter und Tochter in ein schäbiges Mietshaus, das von sonderbaren Wasserflecken und einem geisterhaften Mädchen heimgesucht wird. Nochmals eine Spur ruhiger als andere Asia-Horror-Filme und doch äußerst gruselig.

Into the mirrorLand: Korea Bereits abgekupftert: Ja

Eine mysteriöse Todeswelle überschattet eine Shopping Mall noch vor ihrer Eröffnung. Ein dienstquittierter Polizist, der nun als Wachmann in dieser Mall tätig ist, geht der Sache auf den Grund. Teils beklemmend, geht „Into the mirror“ eher in Richtung Mystery-Krimi, was keineswegs schlecht ist!

Shutter Land: Thailand Bereits abgekupfert: Ja

Seltsame Verzerrungen und Lichtspiegelungen findet ein junger Fotograf auf seinen Bildern, während seine Freundin in ihren Alpträumen immer wieder vom selben Mädchen heimgesucht wird. Einer der wenigen Filme, der das Thema "Geisterfotografien" thematisiert. Es wird ein tragisches Geheimnis fesselnd gelüftet.

Hansel & Gretel Land: Korea Bereits abgekupfert: Nein

Was würde aus Hänsel und Gretel werden, wenn sie die Hexe überlistet hätten und auf ewig dazu verdammt wären, in eben jenem Hexenhäuschen leben zu müssen? Zwar hat der Film Piet und Bene nicht zugesagt, für mich war dieser Dark-Fantasy-Streifen der Film des Jahres 2009, nicht zuletzt wegen der charmanten Optik à la Tim Burton.

Weitere interessante Titel: Wishing Stairs, Ghost, Cello, Silk

Benny

PS:

Sollte jemand Ringu vermissen, so muss ich leider gestehen, dass mir dieser Film überhaupt nicht zusagt. Die Krimielemente sind zwar spannend, aber verfluchte Videobänder oder anderer technischer Schnickschnack sagen mir leider weniger zu, Ausnahme sind Geisterfotografien, die noch am glaubhaftesten sind.

Alle Rechte vorbehalten.
Die Copyrights von Ton- und Bildmaterial liegen bei den jeweiligen Verleihern, Verlagen, Labels, Studios und Künstlern.