Review

Xenoblade Chronicles

Entwickler: Monolith Soft | Genre: J-RPG | Plattform: Nintendo Wii

Da denkt man sich, dass die Wii ihren Zenit nun erreicht hat (immerhin waren bis vor kurzem lediglich "The Legend of Zelda - Skyward Sword" und "Kirby's Return to Dreamland" die letzten großen Titel, die noch anstehen), fasst sich Nintendo überraschend doch noch ein Herz und bringt drei weitere große, bislang Japan-exklusive, Titel zu uns nach Europa: "Xenoblade Chronicles", "The Last Story" und "Pandoras Tower". Während die beiden letzt genannten Spiele erst 2012 bei uns erscheinen werden, konnte "Xenoblade Chronicles" bereits ironischerweise zeigen, dass das eindruckvollste J-RPG dieser Generation nicht auf den großen HD-Konsolen, sondern auf der schnuckelig kleinen Wii zu finden ist.

Animationsreif

Von der ersten Sekunde an überzeugt die nochmals schnell mit ein paar Worten zusammengefasste Handlung von "Xenoblade Chronicles": Einst bedeckte nur Wasser den Planeten, bis eines Tages zwei gigantische Titanen die kargen Weiten betraten und gegeneinander kämpften. Beide streckten sich nach einem lang anhaltenden Kampf gegenseitig nieder und wieder war der Planet für Jahrtausende ohne Leben, bis sich auf den riesigen Leichnamen Pflanzen und Gebirge entwickelten, sich nach und nach eine Welt voller Leben bildete. Während nun auf dem Titan "Bionis" die Menschheit beheimatet ist, werden die Überreste des zweiten Titans, Mechonis" von den Mechons bewohnt, die für die Menschheit eine unbezwingbare Bedrohung darstellen. Nur ein einziges Schwert ist in der Lage, die harte Panzerung der Mechons zu durchdringen, das mysteriöse "Monado", dass der Protagonist "Shulk" in die Hände nimmt, um seine Freunde zu beschützen.

Die Story fesselt über Stunden, ist dank Zukunftsvisionen überaus originell, präsentiert sich wendungsreich, ist stellenweise emotional, teils auch sehr humorvoll und wie es für ein riesiges Rollenspiel gehört, selbstverständlich auch über alle Maßen episch. Hauptsächlich wird sie von erstklassigen Zwischensequenzen und den sehr charmanten Charakteren getragen, die man sehr schnell ins Herz schließt. "Xenoblade Chronicles" ist erzählerisch beeindruckend inszeniert worden, so dass dieser Titel nicht nur einer episodenstarken Anime-Serie ähnelt, sondern mit einer solchen auch spielerisch mithalten kann.

Wenn sich im Spielverlauf Durchhänger einschleichen, dann nur wegen den zig Nebenmissionen, die sich beinahe ausnahmslos darauf beschränken, bestimmte Gegner zu besiegen oder spezielle Gegenstände zu finden. Hinzu kommt, dass es bei Erfüllung der Aufgaben kaum Feedback von den NPCs gibt. Insgesamt also ein äußerst monotoner Zeitvertreib, der kaum Belohnungen bietet, zum Glück aber auch optional ist!

Atemberaubende Panoramen

Bei allen Lobeshymnen, dass die Welt von "Xenoblade Chronicles" so toll aussehen soll, man muss sie selbst in Bewegung gesehen haben, denn die optischen Qualitäten der Spielwelt sind schlicht atemberaubend. Immer wieder sitzt man sprachlos vor dem Bildschirm, wenn sich in der enormen Sichtweite malerische Täler, reißende Wasserfälle, schwindelerregend tiefe Abgründe, stimmige Wälder und weite Wiesen darbieten. Besonders hervorzuheben ist, dass die sich im Wind wiegenden Gräser sich im Gegensatz zur Konsolenversion von "Oblivion" nicht wie ein Rasenteppich mit einem Radius von fünf Videospielmetern ausrollen, sondern so weit das Auge reicht, sichtbar dargestellt werden. Verblüffend, wie die Entwickler das geschafft haben, auch wenn die Grafik natürlich alles andere als flimmerfrei ist, die Texturen hier und da, insbesondere bei den Charakteren, matschig sind und Personen auch noch recht polygonarm daherkommen. Visuell wird der Spieler verwöhnt, ebenso akustisch, denn zum einen ist der Soundtrack stets hochwertig und passend, zum anderen hat der Spieler die Wahl zwischen einer sehr guten englischen Synchro und einer perfekt umgesetzten japanischen Synchro, natürlich mit einblendbaren deutschen Untertiteln. Die vielfältigen Soundeffekte sind ebenfalls ordentlich umgesetzt, einzig nervig ist, dass die Charaktere bei den Kämpfen zu sehr durcheinander schreien und sich stark dabei wiederholen.

JRPG mit westlichen Vorzügen

Das umfangreiche und sehr gut erklärte Kampfsystem geht sauber von der Hand. Der vom Spieler gewählte Held muss je nach Talent in Echtzeit in Position gebracht werden, um die Fertigkeiten optimal zu nutzen, während das Kampfsystem im Hintergrund rundenbasiert ausgespielt wird. Sehr lobenswert ist, dass die Mitstreiter-KI exzellent funktioniert und sich und den Spieler prima ergänzt. Zudem ist es sehr erfreulich, dass die Entwickler auf Zufallskämpfe komplett verzichtet und sich insgesamt eher an westliche Rollenspiele orientiert haben: Das Spiel ist nahezu jederzeit speicherbar, um lange Laufwege zu reduzieren, kann sich die Heldengruppe zu bereits besuchten Gebieten teleportieren. Die spielinterne Uhrzeit lässt sich mit wenigen Klicks ändern (schneller Wechsel zwischen Tag und Nacht), es gibt zig Ausrüstungsgegenstände, die teils sogar mit Edelsteinen aufgewertet werden können.

Europäischer Trailer

Benny

Fazit

Über den einzig wirklich großen Kritikpunkt, nämlich den monotonen Nebenmissionen - kreative Aufgaben à la "The Witcher" hätten wohl den Rahmen gesprengt - lässt sich problemlos hinwegsehen, zu sehr taucht man in eine optisch überwältigende Spielwelt ein und wird von einer cineastisch erzählten Handlung in den Bann gezogen, die man an der Seite von glaubhaft inszenierten Gefährten erlebt. Die wohl größte Überraschung von "Xenoblade Chronicles" ist die, dass man ein solches Spektakel ausgerechnet auf der Wii geboten bekommt, von der man einen solch umfangreiches Abenteuer nicht erwartet hätte. Ein  erstklassiger Titel, der hoffentlich seine verdiente Beachtung finden wird!

Wertung: 9.3

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